Mit dem Fahrrad durch Valencia
Nach einer entspannten Nacht machten wir uns am frühen Morgen auf den Weg nach Valencia. Wir konnten unseren Camper auf einem riesigen Parkplatz der Universität Valencia kostenlos abstellen und von dort aus Valencia mit dem Fahrrad erkunden.
Die Stadt ist wie gemacht dafür – breite Radwege, flaches Gelände und eine angenehm entspannte Atmosphäre machen jede Strecke zum Genuss. Schon nach den ersten Metern spürt man den besonderen Mix aus mediterranem Flair, moderner Architektur und historischem Charme.
Historische Highlights der Altstadt
Unsere Fahrradtour führte uns zunächst zu den beeindruckenden Torres de Serranos, einem der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Die mächtigen mittelalterlichen Stadttore geben schon beim ersten Anblick einen Eindruck davon, wie geschichtsträchtig Valencia ist. Von dort aus ging es weiter durch die charmanten Gassen der Altstadt zur wunderschönen Iglesia de San Nicolás, die oft auch als die „Sixtinische Kapelle Valencias“ bezeichnet wird.
Leider hatten wir dort kein Glück: Der Andrang war riesig und die Lichtshow im Inneren hatte bereits begonnen, sodass wir nicht mehr hineinkamen. Trotzdem war allein die Atmosphäre rund um die Kirche beeindruckend – überall Menschen, Straßenmusik und dieses besondere Altstadtflair.
Plaza de la Reina und Kathedrale
Anschließend radelten wir weiter zur lebhaften Plaza de la Reina, einem der schönsten Plätze Valencias. Dort reiht sich ein Highlight an das nächste: die prachtvolle Basilica de la Virgen de los Desamparados und direkt daneben die imposante Kathedrale von Valencia mit ihrer faszinierenden Mischung aus verschiedenen Baustilen. Zwischen historischen Gebäuden, kleinen Cafés und dem bunten Treiben der Stadt konnten wir das valencianische Lebensgefühl richtig genießen.
Nach so vielen Eindrücken suchten wir uns ein gemütliches Café, gönnten uns einen Kaffee und eine Kleinigkeit zu essen und beobachteten einfach das entspannte Leben auf den Straßen Valencias.


















Mercado Central von Valencia
Frisch gestärkt setzten wir unsere Tour fort und fuhren zum berühmten Mercado Central, einem der schönsten und größten Frischmärkte Europas. Schon von außen beeindruckt das Gebäude mit seiner prachtvollen Architektur aus Glas, Keramik und Eisen im modernen Stil. Im Inneren erwartete uns ein wahres Paradies aus Farben, Düften und regionalen Spezialitäten: frisches Obst, Meeresfrüchte, Gewürze, Schinken und unzählige typisch spanische Köstlichkeiten. Zwischen den Marktständen herrschte reges Treiben, und man spürt sofort, dass dieser Ort weit mehr ist als nur ein Markt – er ist ein Stück valencianischer Alltagskultur.La Lonja de la Seda
Direkt in der Nähe befindet sich die beeindruckende Seidenbörse La Lonja de la Seda, die wir uns ausführlich von außen angesehen haben. Das prachtvolle Gebäude gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der spätgotischen Architektur Europas. Bereits im 15. Jahrhundert war die Seidenbörse das wirtschaftliche Zentrum Valencias und Symbol für den Wohlstand der Stadt während ihrer Blütezeit als Handelsmetropole im Mittelmeerraum. Besonders faszinierend sind die kunstvollen Fassaden, die verzierten Türme und die detailreichen Steinmetzarbeiten, die den Reichtum und die Bedeutung des damaligen Handels widerspiegeln. Selbst von außen wirkt das Gebäude majestätisch und vermittelt einen Eindruck davon, wie bedeutend Valencia einst als Handelsstadt war.Plaça de l’Ajuntament
Unser weiterer Weg führte uns schließlich zum Plaça de l’Ajuntament, dem Rathausplatz von Valencia und einem der zentralen Treffpunkte der Stadt. Der große Platz wirkt lebendig und gleichzeitig elegant – umgeben von prachtvollen Gebäuden, Palmen und breiten Straßen. Besonders auffällig ist das imposante Rathausgebäude, das Ajuntament de València, das mit seiner beeindruckenden Fassade sofort ins Auge fällt. Gegenüber befinden sich weitere prachtvolle historische Gebäude mit kunstvollen Verzierungen und klassischer Architektur, die dem Platz eine ganz besondere Atmosphäre verleihen.Estación del Norte und Plaza de Toros
Nach unserem Spaziergang über den Plaça de l’Ajuntament führte uns der Weg weiter zum historischen Bahnhof Estación del Norte – einem der schönsten Bahnhofsgebäude Spaniens. Schon die Außenfassade beeindruckt mit ihren farbenfrohen Keramikelementen, den verspielten Ornamenten und dem typischen Jugendstil, der dem Gebäude seinen besonderen Charakter verleiht. Leider wurde der Bahnhof während unseres Besuchs gerade modernisiert, sodass im Inneren vieles verhängt und abgesperrt war. Dadurch konnten wir die prachtvolle Eingangshalle und die vielen architektonischen Details nur eingeschränkt erleben. Trotzdem war es spannend, dieses bedeutende Bauwerk zumindest von außen zu sehen. Direkt daneben befindet sich die imposante Plaza de Toros de Valencia, die große Stierkampfarena der Stadt. Das kreisrunde Gebäude erinnert mit seiner Architektur fast an ein römisches Amphitheater und zählt zu den größten Arenen Spaniens. Erbaut wurde sie Mitte des 19. Jahrhunderts und bietet Platz für zehntausende Zuschauer. Noch heute finden dort traditionelle Veranstaltungen, Konzerte und kulturelle Events statt. Wir betrachteten die Arena sowohl von außen als auch aus der Luft, was noch einmal eine ganz besondere Perspektive bot. Erst von oben erkennt man richtig die beeindruckende Größe und die perfekte symmetrische Form des Bauwerks mitten im Herzen der Stadt.
















Die Turia-Gärten von Valencia
Nachdem wir die Altstadt hinter uns gelassen hatten, führte unser Weg durch die beeindruckenden Turia-Gärten – die grüne Lunge Valencias. Die weitläufige Parkanlage entstand im ehemaligen Flussbett des Río Turia, nachdem der Fluss nach einer schweren Überschwemmung umgeleitet wurde. Heute zieht sich der Park wie ein grünes Band mehrere Kilometer durch die gesamte Stadt und verbindet verschiedene Viertel miteinander.
Beim Radfahren durch die Turia-Gärten vergisst man fast, dass man sich mitten in einer Großstadt befindet. Überall gibt es Palmen, Orangenbäume, Blumenbeete, Brunnen und schattige Wege. Menschen joggen, fahren Fahrrad, machen Picknick oder entspannen einfach im Gras. Gerade diese Mischung aus Natur, Ruhe und urbanem Leben macht den Park zu einem ganz besonderen Ort und zu einem der beliebtesten Treffpunkte der Valencianer.
Ciudad de las Artes y las Ciencias
Am Ende der Gartenanlagen tauchten schließlich die futuristischen Gebäude der berühmten „Ciudad de las Artes y las Ciencias“ – der Stadt der Künste und Wissenschaften – vor uns auf. Der von dem valencianischen Stararchitekten Santiago Calatrava entworfene Komplex wirkt fast wie eine Kulisse aus einem Science-Fiction-Film. Weiße geschwungene Formen, riesige Wasserflächen und spektakuläre Glasfassaden prägen das Bild.
Zu den bekanntesten Bauwerken gehören das wissenschaftliche Museum, das Opernhaus Palau de les Arts, das größte Aquarium Europas L’Oceanogràfic sowie das beeindruckende Hemisfèric, das mit seiner Form an ein riesiges Auge erinnert. Besonders faszinierend ist, wie sich die futuristische Architektur in den Wasserflächen spiegelt und dadurch eine beinahe surreale Atmosphäre entsteht.
Die Skulptur von Tony Cragg
Vor den futuristischen Gebäuden der Stadt der Künste und Wissenschaften entdeckten wir außerdem eine beeindruckende spiegelnde Skulptur, die sofort alle Blicke auf sich zog. Die hoch aufragende, verdrehte Form wirkt beinahe wie flüssiges Metall, das sich in den Himmel schraubt. Durch die spiegelnde Oberfläche verändern sich Licht, Wolken und Umgebung ständig – je nach Blickwinkel sieht die Skulptur immer wieder anders aus.
Das Kunstwerk stammt vom international bekannten Künstler Tony Cragg, einem britischen Bildhauer, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt und arbeitet. Cragg ist besonders für seine organischen, dynamischen Formen bekannt, die oft Bewegung und Wandel symbolisieren. Seine Werke stehen weltweit im öffentlichen Raum und verbinden moderne Kunst mit Architektur und Umgebung auf faszinierende Weise.
Besonders interessant: Diese Skulptur war auch bereits in Darmstadt zu sehen. Dadurch entstand für uns ein unerwarteter persönlicher Bezug, denn mitten im modernen Valencia plötzlich auf ein Kunstwerk zu treffen, das man mit Deutschland verbindet, war schon etwas Besonderes.














Valencias Hafen und die Tinglados
Am Ende unserer Tour fuhren wir weiter bis zum Hafen von Valencia. Der Weg führte uns vorbei an den modernen Hafenhallen, den sogenannten Tinglados del Puerto. Die historischen Lager- und Hafenhallen stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert und beeindrucken mit ihrer aufwendig verzierten Architektur aus Stahl, Glas und Keramik. Früher dienten sie dem Warenumschlag im Hafen, heute erinnern sie an die große Bedeutung Valencias als Handels- und Hafenstadt am Mittelmeer.Abendstimmung am Strand
Von dort aus radelten wir weiter bis zum Strand Platja del Llevant. Dort ließen wir den Tag entspannt ausklingen, aßen eine Kleinigkeit und genossen die Atmosphäre direkt am Meer. Besonders erstaunt waren wir darüber, wie viel selbst unter der Woche los war – trotz des kühlen Windes waren die Strandpromenade und die Restaurants voller Menschen. Offenbar genießen die Valencianer das Leben am Meer bei nahezu jedem Wetter. Anschließend machten wir uns mit den Fahrrädern wieder auf den Rückweg zum Parkplatz an der Universität.Ein unerwarteter Zwischenfall
Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass das linke Seitenfenster unseres Campers aufgebrochen worden war und sich ein Dieb in unserem Fahrzeug umgesehen hatte. Glücklicherweise hatte er außer einer Geldbörse mit fünf Euro keine weitere Beute machen können. Trotzdem bedeutete der Vorfall für uns noch einen ungeplanten Abschluss des Tages: Wir verbrachten anschließend etwa eine Stunde bei der spanischen Polizei, die auf solche Situationen offenbar bestens vorbereitet war und den Vorfall routiniert aufnahm.Valencia bei Nacht
Nach dem ganzen Papierkram war die Dunkelheit bereits deutlich fortgeschritten, was wir nutzten, um die Stadt der Künste und der Wissenschaften bei Nacht aus der Luft zu dokumentieren. Danach machten wir uns schließlich auf den Weg nach Silla und fanden am Rand einer ruhigen Wohnsiedlung einen Platz für die Nacht. Dort aßen wir noch eine Kleinigkeit, ließen den langen und ereignisreichen Tag Revue passieren und fielen anschließend todmüde ins Bett.






